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Wasserschaden an der Dusche: Fuge, Abdichtung oder Leitung?

Autorenbild: Dipl.-Ing. (FH) Ulrich Büdding
Dipl.-Ing. (FH) Ulrich Büdding
vor 12 Stunden
6 Min. Lesezeit
Dusche Silikonfuge defekt

Woher kommt das Wasser bei einer undichten Dusche?

Bei einer undichten Dusche kommt das Wasser aus einer von vier Quellen, und jede hinterlässt ein eigenes Muster. Entscheidend ist, wann die Feuchte auftritt: nur beim Duschen, nur bei bestimmten Duscharten oder auch dann, wenn das Bad tagelang nicht benutzt wurde.

Die Silikonfuge zwischen Wanne und Wand oder in den Raumecken ist eine sogenannte Wartungsfuge. Sie altert, löst sich von den Flanken oder reißt, wenn die Wanne sich beim Betreten minimal absenkt. Dann läuft Duschwasser hinter die Fliesen. Typisch ist Feuchte an der Wand neben oder unter der Wanne, die nach dem Duschen zunimmt und in trockenen Tagen zurückgeht.

Die Abdichtung unter den Fliesen, fachlich Verbundabdichtung, ist die eigentliche Dichtebene. Fliesen und Zementfugen sind nämlich nicht wasserdicht. Fehlt die Abdichtung, ist sie gerissen oder fehlt die Dichtmanschette an Armatur oder Ablauf, dringt Wasser in Wand und Estrich. Das zeigt sich häufig bei bodengleichen Duschen und in Bädern, die vor Einführung der heutigen Abdichtungsnorm 2017 gefliest wurden.

Der Ablauf mit Siphon, Anschlussrohr und Dichtflansch führt nur Wasser, solange geduscht wird. Ein undichter Ablauf macht sich deshalb im Boden bemerkbar: am Sockel im Nachbarraum, an der Decke darunter, und zwar umso stärker, je länger geduscht wird.

Die Zuleitung zur Armatur steht als einzige Quelle dauerhaft unter Druck, üblicherweise drei bis fünf bar. Ist sie undicht, läuft Wasser rund um die Uhr nach – auch nachts und im Urlaub. Die Wasseruhr dreht sich dann, obwohl kein Hahn geöffnet ist.

Wie finde ich selbst heraus, was an der Dusche undicht ist?

Mit drei Tests grenzen Sie die Ursache selbst ein, in dieser Reihenfolge und mit je einem Tag Pause dazwischen. Die Pause ist wichtig: Erst wenn die Wand wieder abgetrocknet ist, zeigt der nächste Test ein eindeutiges Ergebnis. Markieren Sie vorher den Rand der feuchten Stelle mit Bleistift und fotografieren Sie ihn.

Test 1 – Wasseruhr (Zuleitung): Schließen Sie alle Zapfstellen im Haus, auch Spül- und Waschmaschine, und notieren Sie den Zählerstand. Lesen Sie nach ein bis zwei Stunden erneut ab, ohne dass jemand Wasser entnimmt. Läuft der Zähler weiter oder dreht sich das kleine Sternrad, verliert eine Druckleitung Wasser. Wird zusätzlich die Stelle an der Dusche feuchter, ist die Zuleitung zur Armatur der Hauptverdächtige.

Test 2 – Nur der Ablauf: Nehmen Sie die Handbrause ab und halten Sie sie zehn Minuten lang direkt über den Ablauf, ohne Wand, Fugen oder Wannenrand zu benetzen. Prüfen Sie die markierte Stelle nach einigen Stunden und am nächsten Morgen. Wächst sie, ist der Ablauf oder sein Anschluss undicht.

Test 3 – Wand und Fugen: Brausen Sie nun gezielt die Wandflächen und die Silikonfuge ab, am besten abschnittweise an verschiedenen Tagen. Wird es nur in diesem Test nass, liegt die Ursache in der Fuge oder in der Abdichtung dahinter. Prüfen Sie die Silikonfuge zusätzlich mit dem Fingernagel: Lässt sie sich an einer Flanke abheben, ist sie undicht.

Bleiben alle drei Tests ohne klares Ergebnis oder ist die Stelle schon groß, sollten Sie nicht weiter testen. Jeder weitere Liter verlängert die Trocknung.

Wie ortet eine Fachfirma das Leck an der Dusche?

Eine Fachfirma ortet das Leck an der Dusche in drei Stufen: Sie misst zuerst, wohin sich die Feuchte verteilt hat, prüft dann die Leitungen einzeln auf Dichtheit und lokalisiert die Stelle anschließend mit einem passenden Verfahren. Geöffnet wird erst danach, und zwar gezielt an der bestätigten Stelle.

Feuchteverteilung messen: Mit Feuchtemessgeräten wird ein Raster über Wand und Boden gelegt. Das Feuchtebild zeigt, ob sich die Nässe vom Ablauf, von der Armatur oder vom Wannenrand aus ausbreitet. Allein das schließt häufig schon zwei der vier Ursachen aus.

Druckprüfung der Zuleitungen: Kalt- und Warmwasserleitung werden getrennt abgesperrt und mit Druck beaufschlagt. Fällt der Druck in einem Strang, ist er undicht. Das Ergebnis ist eindeutig und unabhängig davon, wo das Wasser sichtbar wird.

Feinortung: Eine undichte Zuleitung wird mit Spürgas, einem Gemisch aus 95 % Stickstoff und 5 % Wasserstoff, aufgespürt. Das kleine Wasserstoffmolekül dringt durch Estrich und Fliesenfugen und wird an der Oberfläche gemessen. Warmwasserleitungen lassen sich zusätzlich mit der Wärmebildkamera verfolgen. Am Ablauf und an der Abdichtung hilft ein fluoreszierender Farbstoff im Prüfwasser, der zeigt, welcher Weg das Wasser tatsächlich nimmt.

Was das zerstörungsfreie Vorgehen wert ist, zeigt der Vergleich: Wer auf Verdacht die Duschwand öffnet, zahlt für Abbruch, neue Abdichtung, Fliesen und Trocknung schnell einen vierstelligen Betrag – und hat das Leck im ungünstigen Fall trotzdem nicht gefunden.

Warum Fliesen nicht dicht sind und ein kleines Loch viel Wasser verliert

Fliesenfugen saugen Wasser. Zementgebundener Fugenmörtel ist porös. Seine Kapillarporen ziehen Wasser an, und zwar umso höher, je feiner sie sind. Die kapillare Steighöhe folgt aus h = 2·σ·cos θ / (ρ·g·r). Mit der Oberflächenspannung von Wasser σ = 0,072 N/m, vollständiger Benetzung (θ = 0) und einem Porenradius von 1 µm ergibt sich rechnerisch eine Steighöhe von rund 15 m. In der Praxis begrenzen Verdunstung und Porenstruktur den Wert, aber die Größenordnung zeigt: Die Fuge hält Wasser nicht auf, sie verteilt es. Dicht ist nur die Verbundabdichtung darunter.

Was die Norm verlangt: Seit Juli 2017 regelt die DIN 18534 die Abdichtung von Innenräumen. Eine bodengleiche Dusche fällt in die Wassereinwirkungsklasse W2-I (hoch), die Badfläche außerhalb der Dusche meist in W1-I (mäßig). Für W2-I sind nur feuchteunempfindliche Untergründe wie Zementputz oder Beton zulässig, Gipsputz nicht. Die Abdichtung im Verbund wird in mindestens zwei Lagen aufgebracht, als Polymerdispersion mit mindestens 0,5 mm Trockenschichtdicke oder als rissüberbrückende mineralische Dichtschlämme mit mindestens 2 mm. An der Wand reicht sie mindestens 20 cm über den höchsten Wasserauslass.

Silikon ist eine Wartungsfuge. Elastische Fugen gehören nicht zur Abdichtung, sondern schützen sie nur. Sie verlieren mit der Zeit Haftung und Elastizität und müssen regelmäßig geprüft und erneuert werden. Ein Riss in der Silikonfuge ist deshalb kein Baumangel, sondern eine fällige Wartung – und genau diese Einordnung spielt bei der Versicherung eine Rolle.

Warum die Zuleitung so viel Wasser verliert: Die Ausflussmenge aus einer kleinen Öffnung folgt aus Q = Cᵈ·A·√(2·Δp/ρ). Ein Loch von 0,5 mm Durchmesser (A ≈ 0,2 mm²) verliert bei 4 bar und einem Ausflussbeiwert von 0,6 rechnerisch etwa 0,2 Liter pro Minute, also knapp 300 Liter am Tag. Im Mauerwerk bremst der Gegendruck des umgebenden Materials den Austritt, der Wert ist daher eine Obergrenze. Er erklärt aber, warum eine undichte Zuleitung schnell zu Estrichschäden führt, während ein undichter Ablauf nur während des Duschens Wasser abgibt.

Zahlt die Versicherung einen Wasserschaden an der Dusche?

Ob die Gebäudeversicherung einen Wasserschaden an der Dusche zahlt, hängt von der Ursache ab. Tritt Wasser aus einer undichten Zu- oder Ableitung aus, ist das ein klassischer Leitungswasserschaden und in der Regel versichert. Bei einer undichten Silikonfuge dagegen muss der Wohngebäudeversicherer nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht zahlen.

Der BGH hat am 20.10.2021 (Az. IV ZR 236/20) entschieden: Eine Fuge zwischen Duschwanne und Wand ist keine Einrichtung, die mit dem Rohrsystem verbunden ist. Wasser, das durch sie hinter die Fliesen läuft, ist deshalb kein bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser im Sinne der Versicherungsbedingungen. Auch die Dusche als Ganzes hat der BGH nicht als solche Einrichtung anerkannt. Manche Tarife schließen Fugenschäden inzwischen ausdrücklich ein; ein Blick in Ihre Police lohnt sich.

Für Sie bedeutet das: Die genaue Ursache entscheidet über mehrere tausend Euro. Ein Ortungsbericht, der Fundstelle, Verfahren und Ursache benennt, ist deshalb mehr als eine Formalie. Er ist die Grundlage für die Regulierung. Melden Sie den Schaden frühzeitig und lassen Sie nichts öffnen, bevor die Ursache feststeht. Wie die Meldung abläuft, lesen Sie in unserem Beitrag „Rohrbruch der Versicherung melden“.

Was kostet die Leckortung an der Dusche?

Eine Leckortung im Gebäude kostet bei uns ab 470,05 € inkl. MwSt. Der genaue Preis hängt davon ab, wie viele Leitungen geprüft werden müssen und welche Verfahren nötig sind. Wir klären ihn vor dem Termin mit Ihnen, damit Sie wissen, woran Sie sind. Sie erhalten einen Bericht mit Fundstelle, Verfahren und Ursache, der für die Versicherung reicht. Mehr zum Ablauf finden Sie auf unserer Seite zur Leckortung im Gebäude.

Über den Autor: Ulrich Büdding, Dipl.-Ing. (FH), ortet seit über 20 Jahren Lecks in Gebäuden, Erdleitungen, Pools und Flachdächern und hat mehr als 10.000 Leckortungen durchgeführt. Er ist Inhaber von Die Leckortung Ulrich Büdding mit Standorten in Düsseldorf und Castrop-Rauxel.

Quellen

 
 
 

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