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Pool verliert Wasser: Verdunstung oder Leck? Der Eimertest

Ulrich Büdding
1. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Sept.

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Pool verliert Wasser: Verdunstung oder Leck?

Fast jede Anfrage bei uns beginnt mit demselben Satz: Der Pool verliert Wasser, und der Besitzer weiß nicht, ob das noch normal ist. Die Unsicherheit ist berechtigt — jeder Pool verliert Wasser, auch ein völlig dichter. Die Frage ist nur: wie viel.

Dieser Beitrag beantwortet beides. Zuerst, wie viel Verdunstung tatsächlich normal ist, mit Zahlen statt Bauchgefühl. Dann, wie Sie mit einem Eimer und zwei Markierungen selbst herausfinden, ob mehr dahintersteckt.

Wie viel Verdunstung ist normal?

Verdunstung lässt sich berechnen. Die maßgebliche Grundlage ist die Dalton'sche Verdunstungsformel in der VDI-Richtlinie 2089, dem technischen Regelwerk für Schwimmbäder in Deutschland.

Typischer Sommertag im Privatpool: bei 26 °C Wassertemperatur, 28 °C Lufttemperatur und 55 % relativer Luftfeuchte ergibt die Rechnung rund 0,06 mm pro Stunde bei ruhendem Wasser und bis zu 0,19 mm pro Stunde bei aktivem Badebetrieb. Auf den Tag hochgerechnet sind das etwa 1 bis 3 Millimeter.

Heißer, trockener Tag: bei 30 °C Wasser, 32 °C Luft und nur 40 % Luftfeuchte steigt der Wert je nach Nutzung auf rund 2 bis 6 Millimeter pro Tag.

Windexponierte Lage: Wind ist der stärkste Einzelfaktor. Bei freistehenden Becken ohne Windschutz sind grob 3 bis 18 Millimeter pro Tag denkbar.

Zwei Dinge sind daran wichtig.

Die Rate ist unabhängig von der Beckengröße. Verdunstung wirkt auf die Oberfläche, deshalb rechnet man in Millimetern Wasserstand, nicht in Litern. Ein großes Becken verliert absolut mehr Liter, aber denselben Wasserstand wie ein kleines.

Millimeter, nicht Zentimeter. Das ist die entscheidende Größenordnung. Wer täglich einen Zentimeter oder mehr verliert und keinen Sturm im Garten hatte, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Undichtigkeit.

Was außer Verdunstung noch Wasser kostet

Bevor Sie ein Leck vermuten, prüfen Sie diese drei Punkte — sie erklären viele scheinbare Verluste:

Spritzwasser und Verwehung. Kinder im Becken, ein Sprungbrett oder eine Gegenstromanlage tragen mehr Wasser aus dem Pool, als man denkt. Auch die Fontäne einer Wasserattraktion verliert bei Wind erheblich.

Rückspülung. Jede Rückspülung des Sandfilters kostet je nach Anlage einige hundert Liter. Wer wöchentlich rückspült und den Verlust nicht einrechnet, sucht ein Leck, das es nicht gibt.

Überlauf bei Regen. Klingt paradox, ist aber häufig: Nach starkem Regen läuft das Becken über den Skimmer oder die Überlaufrinne ab, und der Pegel steht danach tiefer als vorher.

Der Eimertest — und wie er richtig geht

Der Eimertest ist die einfachste Methode, Verdunstung von einem Leck zu trennen. Er funktioniert, weil im Eimer und im Becken dieselben Wetterbedingungen herrschen: Was im Eimer verdunstet, verdunstet auch im Pool. Alles, was der Pool darüber hinaus verliert, geht woanders hin.

So gehen Sie vor:

  1. Füllen Sie einen Eimer mit Poolwasser und stellen Sie ihn auf eine Poolstufe, sodass er zu etwa zwei Dritteln im Wasser steht.

  2. Gleichen Sie den Wasserstand im Eimer mit dem Pegel des Beckens ab und markieren Sie beide Stände — im Eimer und am Becken.

  3. Schalten Sie die Umwälzung aus.

  4. Warten Sie 24 bis 48 Stunden und vergleichen Sie beide Markierungen.

Das Ergebnis: Sind beide Pegel gleich weit gefallen, war es Verdunstung. Ist der Beckenpegel deutlich tiefer gefallen als der im Eimer, verliert Ihr Pool Wasser über die Beckenhülle, ein Einbauteil oder die Verrohrung.

Drei Fehler, die den Test wertlos machen

Die Umwälzung läuft weiter. Dann verlieren Sie Wasser über die Druckleitungen, und der Eimer misst nur die Verdunstung — das Ergebnis ist nicht vergleichbar. Umwälzung aus.

Der Eimer steht in der Sonne oder im Wind. Ein Eimer neben dem Becken heizt sich anders auf als das Wasser im Pool und verdunstet dadurch stärker. Dann halten Sie ein echtes Leck für Verdunstung. Deshalb: halb eingetaucht auf eine Stufe stellen, gleiche Bedingungen für beide.

Zu kurz gemessen. Bei zwei, drei Millimetern Differenz am Tag sehen Sie über Nacht gar nichts. Lassen Sie den Test volle 24, besser 48 Stunden laufen.

Der zweite Test: mit und ohne Umwälzung

Wenn der Eimertest ein Leck bestätigt, bringt Sie ein zweiter Durchgang der Ursache deutlich näher. Wiederholen Sie den Test — diesmal mit laufender Umwälzung.

Fällt der Pegel nur im Betrieb deutlich schneller, liegt der Verlust mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Druckleitungen zu den Einlaufdüsen. Die stehen nur unter Druck, wenn die Pumpe läuft.

Fällt er auch im Stillstand, kommen Beckenhülle, Skimmer, Bodenablauf, Scheinwerfer und deren Durchführungen infrage.

Und achten Sie darauf, auf welchem Niveau der Pegel stehen bleibt. Stoppt der Verlust auf Skimmerhöhe, ist der Skimmer oder seine Durchführung ein sehr heißer Kandidat. Ein Becken läuft nämlich nur bis zur Schadstelle leer — darunter fehlt der Wasserdruck.

Was der Farbtest kann und was nicht

Der Farbtest mit Lebensmittelfarbe wird oft empfohlen: Farbe ins ruhige Wasser geben und beobachten, ob sie in eine Richtung gezogen wird.

Er funktioniert — allerdings nur unter zwei Bedingungen. Sie müssen die Stelle bereits ungefähr kennen, und die Strömung muss stark genug sein. Bei einem Leck, das den Pegel um wenige Millimeter am Tag senkt, ist der Sog zu schwach, um die Farbe sichtbar einzuziehen. Für die grobe Bestätigung an einem verdächtigen Einbauteil ist er nützlich, für die Suche über das ganze Becken nicht.

Wenn der Test ein Leck bestätigt

Dann wird gemessen statt geraten. Was Sie nicht tun sollten: das Becken leeren. Ein leeres Folienbecken kann sich verziehen, und die meisten Ortungsverfahren brauchen Wasser im Becken, weil sie mit dem Wasser als Leiter arbeiten.

Bei der professionellen Ortung wird das gefüllte Becken zunächst mit dem Elektroimpulsverfahren geprüft: Eine geringe Prüfspannung im Wasser fließt nur dort nach außen, wo die Hülle oder ein Einbauteil beschädigt ist. Damit lassen sich Folie, Skimmer, Lampen und Düsen einzeln beurteilen. Verdächtige Leitungen werden anschließend mit Absperrblasen isoliert, unter Druck gesetzt und bei Bedarf mit Spürgas punktgenau geortet.

Dasselbe Verfahren funktioniert auch an Teichen, und zwar sogar mit Fischbesatz — die Tiere können während der Messung im Wasser bleiben. Wie das in der Praxis abläuft, zeigt unser Beitrag zur Lecksuche im Teich.

Wie das in der Praxis abläuft und was es kostet, haben wir auf der Seite zur Pool-Leckortung: Ablauf und Verfahren zusammengestellt — dort finden Sie auch dokumentierte Fälle aus dem Alltag.

Kurz zusammengefasst

  • Normal sind 1 bis 3 mm am Tag, bei Hitze und Wind auch mehr.

  • Wer im Zentimeterbereich verliert, hat vermutlich ein Leck.

  • Rechnen Sie Rückspülung, Spritzwasser und Überlauf heraus, bevor Sie suchen.

  • Der Eimertest braucht abgeschaltete Umwälzung, einen halb eingetauchten Eimer und 24 bis 48 Stunden.

  • Ein zweiter Durchgang mit Umwälzung trennt Leitungsschaden von Beckenschaden.

  • Nicht leeren — die Ortung braucht Wasser im Becken.


Wie viel Wasser verliert ein Pool pro Tag?

Ein privater Freibadpool verliert durch Verdunstung typischerweise 1 bis 3 mm Wasserstand pro Tag. Bei Hitze, trockener Luft und Wind kann der Wert deutlich höher liegen. Die Rate gilt unabhängig von der Beckengröße, weil Verdunstung über die Oberfläche wirkt.


Als Faustregel: Wer täglich im Zentimeterbereich verliert und keine außergewöhnliche Hitze- oder Windlage hatte, sollte von einer Undichtigkeit ausgehen. Rückspülung, Spritzwasser und Überlauf nach Regen sollten Sie vorher herausrechnen.

Nein, im Gegenteil. Die Ortung findet am gefüllten Becken statt, weil Verfahren wie das Elektroimpulsverfahren das Wasser als Leiter nutzen. Ein leeres Folienbecken kann sich zudem verziehen.


 
 
 

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