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Leckortung Flachdach mit Rauchgas: Verfahren einfach erklärt

Ulrich Büdding
vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit
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Beim Rauchgasverfahren macht ein künstlicher, ungiftiger Prüfnebel eine undichte Stelle im Flachdach sichtbar, ganz ohne dass die Dachfläche dafür geöffnet werden muss. Ein Seitenkanalverdichter drückt den Nebel unter leichtem Überdruck unter die Abdichtungsbahn, an der Schadstelle tritt er sichtbar aus und markiert das Leck punktgenau.

Techniker hören den Begriff "Rauchgas" oft und denken zunächst an einen chemischen Vorgang, dabei steht er am Flachdach seit den 1980er-Jahren für ein rein optisches Prüfverfahren: Sichtbarer Nebel zeichnet den Weg des Wassers durch die Abdichtung nach. Mit dem Tracergasverfahren, das ausströmendes Gas über Sensoren aufspürt, hat diese optische Prüfung wenig gemeinsam, auch wenn beide Begriffe umgangssprachlich manchmal vermischt werden. Wer ein Flachdach undicht vermutet, will wissen, wie genau dieser Nebel das Leck findet und wo die Methode an ihre Grenzen stößt.

  • Ein Seitenkanalverdichter presst Prüfnebel unter die lose verlegte Abdichtungsbahn und baut dort ein Luftpolster auf.

  • An Rissen, offenen Nähten oder undichten Dachgullys tritt der Nebel sichtbar wieder aus und zeigt das Leck an.

  • Das Verfahren funktioniert nur bei Bahnen ohne Kies-, Platten- oder Gründach-Auflast.

  • Wind und Regen verfälschen die Prüfung, weil beide den austretenden Nebel verwehen.

Wie funktioniert die Leckortung am Flachdach mit Rauchgas?

Ein Seitenkanalverdichter, umgangssprachlich eine Turbine, bläst ein Luft-Nebel-Gemisch unter die Abdichtungsbahn und baut dort einen leichten Überdruck auf. Nach Angaben von BauNetz Wissen entsteht so unter der Bahn ein Luftpolster, in das der sichtbare Nebel eingeblasen wird. Der Nebel verhält sich physikalisch wie Rauch, er steigt im Dachaufbau nach oben und sucht sich den kürzesten Weg nach draußen.

Ein Techniker liest genau dieses Aufsteigen als Hinweis. Trifft der Nebel auf einen Riss oder eine offene Naht, entweicht er dort sichtbar an die Oberfläche, selbst wenn die Schadstelle nur wenige Millimeter groß ist. Auch an undichten Anschlüssen, etwa an Dachgullys oder Durchdringungen, zeigt sich der Austritt genauso zuverlässig. Handelsübliche Rauchpatronen brennen dabei rund 80 Sekunden und erzeugen in dieser Zeit einen dichten, gut sichtbaren Nebel.

Gut zu wissen: Das eingesetzte Nebelfluid gilt laut Sicherheitsdatenblatt als praktisch ungiftig, alle Bestandteile weisen einen LD50-Wert von über 30.000 mg auf und gelten damit nicht als gefährliche Zubereitung. Für Bewohner und Nutzer des Gebäudes entsteht während der Prüfung keine gesundheitliche Belastung.

Wie läuft die Prüfung am Flachdach konkret ab?

Bevor der Nebel überhaupt eingeblasen wird, muss die Fläche vorbereitet werden. Ein Techniker geht dabei in einer festen Reihenfolge vor:

  1. Ränder, Anschlüsse und Abläufe abdichten: Alle offenen Stellen der Dachfläche werden abgeklebt, damit der Nebel nur an echten Schäden austritt.

  2. Überdruck aufbauen: Der Seitenkanalverdichter presst Prüfnebel unter die Bahn, bis sich ein gleichmäßiges Luftpolster bildet.

  3. Fläche systematisch absuchen: Die gesamte Dachfläche wird Bahn für Bahn und Anschluss für Anschluss auf austretenden Nebel kontrolliert.

  4. Austrittsstellen markieren: Jede gefundene Leckstelle wird direkt vor Ort gekennzeichnet und im Prüfbericht festgehalten.

Für ein verwertbares Ergebnis sollte möglichst wenig Wind herrschen und es sollte nicht regnen, weil beides das sichere Erkennen der Austrittsstelle stört, wie auch die Fachpresse zur Lecksuche festhält. An einem böigen Tag verweht der Nebel, bevor er sich klar an einer Stelle zeigt, und die Ortung muss verschoben werden.

Für welche Flachdächer eignet sich das Rauchgasverfahren?

Das Rauchgasverfahren eignet sich am besten für lose verlegte Kunststoff- und Bitumenbahnen ohne Auflast, etwa bei Foliendächern und begehbaren Dachterrassen mit freiliegender Abdichtung. Bei der Bauabnahme großer, noch ungenutzter Dachflächen gilt es laut BauNetz Wissen sogar als die wirtschaftlichste Methode überhaupt, weil sich viele Quadratmeter in kurzer Zeit lückenlos prüfen lassen.

An seine Grenzen stößt das Verfahren dort, wo die Bahn nicht mehr frei liegt oder der Nebel nicht kontrolliert bleibt. Kies- und Plattenbeläge sowie begrünte Dächer müssen für die Prüfung in der Regel entfernt werden, was den Aufwand deutlich erhöht. Bei mehrschichtigen Dachaufbauten, in denen Wasser seitlich über mehrere Meter wandert, bevor es nach unten durchdringt, liegt die eigentliche Leckstelle zudem oft weit entfernt vom sichtbaren Feuchtefleck im Innenraum. Auf Trapezblech als Unterkonstruktion rät die Fachliteratur ausdrücklich von der Anwendung ab, weil der Überdruck Nebel in darunterliegende Hallen oder Räume drücken kann.

Warum gilt die Rauchgas-Leckortung als zerstörungsfrei?

Techniker öffnen dabei keine Dachfläche. Der austretende Nebel zeigt die exakte Position des Lecks, noch bevor überhaupt etwas geöffnet wird, sodass die Sanierung nur an den markierten Stellen tatsächlich in die Abdichtung eingreift. Das reduziert den vorbereitenden Aufwand für die Sanierung erheblich.

Für Eigentümer und Hausverwaltungen bedeutet das vor allem: Handwerker beginnen punktgenau an der gefundenen Schadstelle. Der Prüfbericht mit markierten Leckstellen dient dabei als Übergabe-Dokument zwischen Ortung und Sanierungsbetrieb.

Wie unterscheidet sich das Rauchgasverfahren von anderen Flachdach-Methoden?

Neben dem Rauchgasverfahren kommen am Flachdach zwei weitere Ortungsverfahren zum Einsatz, die nach anderen physikalischen Prinzipien arbeiten. Bei Dächern mit Kiesschüttung oder sonstiger Auflast, bei denen der Nebel die Bahn nicht erreicht, hat sich laut BauNetz Wissen das Elektroimpulsverfahren bewährt: Über eine Ringleitung auf der befeuchteten Dachfläche wird ein 40-Volt-Gleichstromimpuls angelegt, der sich seinen Weg zur Leckstelle sucht und über Empfänger und Messstäbe verfolgt wird.

Das Hochspannungsverfahren wiederum überträgt Hochspannung über eine Kupferbürste auf die Prüffläche und wertet aus, wo der Strom zum leitfähigen Untergrund durchschlägt. Es funktioniert laut BauNetz Wissen ausschließlich bei absolut trockener, nicht leitfähiger Abdichtung ohne Wasserfilm. Liegt Feuchtigkeit auf der Bahn oder ist der Untergrund leitfähig, liefert es keine verwertbaren Ergebnisse. Für Leitungswasser im Gebäudeinneren, bei dem Wasser durch ein Rohr statt durch eine Dachabdichtung austritt, ist ergänzend die elektroakustische Leckortung das passende Werkzeug: Sie macht austretendes Wasser über Körperschall hörbar und kommt zum Einsatz, wenn Nebel wegen Auflast oder Witterung keine Option ist.

Was kostet eine Flachdach-Leckortung mit Rauchgas?

Die Gebäude- und Flachdach-Leckortung startet in ganz NRW ab 395 Euro zzgl. MwSt. Anfahrt und der schriftliche Prüfbericht sind darin bereits enthalten, gearbeitet wird nach einem festen Dienstleistungsvertrag ohne versteckte Stundensätze. Der genaue Preis richtet sich nach dem tatsächlichen Umfang der Prüfung, etwa der Dachgröße und der Anzahl der Anschlüsse, die abgedichtet werden müssen.

Kurzfristige Termine sind nach Absprache möglich, was gerade bei akuten Wasserschäden am Flachdach zählt. Wer wissen will, wie sich der Preis konkret zusammensetzt und wann eine Versicherung die Kosten übernimmt, findet Details dazu im Beitrag Leckortung Kosten & Versicherung: Wann zahlt sie?. Das Einsatzgebiet und die Terminvergabe im Detail erklärt der Beitrag Leckageortung in der Nähe.

Was der Prüfbericht für die Sanierung leistet

Ein Handwerksbetrieb kann eine Rauchgas-Prüfung erst dann sinnvoll für die Sanierung nutzen, wenn die markierten Austrittsstellen eindeutig dokumentiert sind. Das gilt besonders bei mehrschichtigen Dachaufbauten, bei denen Wasser seitlich wandert, weil eine falsch verortete Öffnung hier schnell teuer und wirkungslos bleibt.

Wer an einem Flachdach sichtbare Feuchtespuren im Innenraum entdeckt, sollte deshalb die Fläche systematisch prüfen lassen, statt direkt über dem vermuteten Fleck zu öffnen. Sinnvoll ist es, den Prüfbericht vor der Beauftragung der Sanierung anzufordern und die markierten Stellen mit dem ausführenden Betrieb abzugleichen. So bleibt der Eingriff in die Dachabdichtung auf die tatsächlich betroffenen Stellen begrenzt.

Häufige Fragen zur Rauchgas-Leckortung am Flachdach

Ist der Prüfnebel beim Rauchgasverfahren gesundheitsschädlich?

Nein, das eingesetzte Nebelfluid gilt laut Sicherheitsdatenblatt als praktisch ungiftig und ist nicht als gefährliche Zubereitung eingestuft. Bewohner oder Nutzer des Gebäudes müssen sich während der Prüfung nicht aus dem Gebäude entfernen. Der sichtbare Nebel verflüchtigt sich zudem innerhalb kurzer Zeit rückstandsfrei.

Wie lange dauert eine Leckortung am Flachdach mit Rauchgas?

Meist wenige Stunden, bei größeren oder stark gegliederten Flächen entsprechend mehr. Die reine Prüfzeit hängt vor allem von der Dachgröße und der Anzahl der Anschlüsse ab, die vorab abgedichtet werden müssen.

Funktioniert das Rauchgasverfahren auch bei einem begrünten Flachdach?

Nur eingeschränkt, weil die Vegetations- und Substratschicht die Abdichtungsbahn abdeckt und der Nebel nicht ungehindert an die Oberfläche gelangt. In solchen Fällen muss die Auflast zumindest abschnittsweise entfernt werden, oder ein anderes Verfahren wie das Elektroimpulsverfahren kommt zum Einsatz.

Was passiert, wenn während der Prüfung Wind aufkommt?

Die Prüfung liefert dann kein zuverlässiges Ergebnis mehr, weil der austretende Nebel verweht wird, statt sich sichtbar an einer Stelle zu sammeln. In diesem Fall wird der Termin verschoben oder auf ein alternatives Ortungsverfahren ausgewichen, das weniger witterungsabhängig arbeitet.

Kann man mit dem Rauchgasverfahren auch eine Dachterrasse prüfen?

Ja, sofern die Abdichtungsbahn unter dem Belag lose verlegt und ohne dauerhafte Auflast zugänglich ist, lässt sich eine Dachterrasse mit dem Rauchgasverfahren genauso prüfen wie ein klassisches Flachdach. Bei fest verklebten oder stark beschwerten Belägen ist der Aufwand für die Freilegung jedoch entsprechend höher.

 
 
 

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